Freies Denken, freies Schreiben oder
Schreiben ohne Marketingzwang
Neujahrsempfang 2026 des Autorenkreises Würzburg
Einmal im Jahr berichtet der Verein Autorenkreis Würzburg einem interessierten Publikum, über das vergangene Jahr und gibt eine Vorschau aufs kommende Jahr. Am zweiten Sonntag im Januar war die Stadtbibliothek im Falkenhaus bereits zum 15. Mal Gastgeberin des Neujahrsempfangs.
Die sachliche Gemütlichkeit, die das neu gestaltete Lesecafé verströmt, harmonierte mit den nüchternen Aufzählungen der Buchveröffentlichungen und der literarischen Live-Auftritte des Autorenkreises (AK) im Jahr 2025. Auf kompaktem Raum und in zeitlich dichter Folge, erlebten die rund 50 Besucher aber auch die Kostproben, die acht der 16 Mitglieder boten.
Ohne Marktzwänge oder verlegerische Marketingstrategien zeigten sich die Autoren einmal mehr in erstaunlicher sprachlicher und thematischer Bandbreite. Keiner muß einem Mainstream hinterherschreiben oder sich einem strategisch denkenden Lektorat unterwerfen. Keiner der Autoren ist finanziell abhängig vom materiellen Erfolg, weil alle ihr Geld mit anderen ehrbaren Berufen verdienen. Die Freiheit des künstlerischen Schreibens bleibt folglich unbeschnitten. Dennoch – oder gerade deswegen – spürten die Gäste die Ernsthaftigkeit und Seriosität, die hinter den Werken stecken.
Da spiegelten sich (Lebens-)Erfahrungen und eigene Gefühle in den Gedichten von Marina Maggio wider, da tauchten in mainfränkischer Mundart geadelte Alltagsphilosophien von Andreas Arnold auf, da lagen seriöse, hebräisch-deutsche Übersetzungen von Amadé Esperer in der Luft. Real Erlebtes von Johannes Jung und Magnus Kuhn fesselte die Zuhörer, und die fiktiven Welten, die Kirsten Nähle und Hanna Haag in ihren Romanen erschufen, trafen auf aufmerksame Ohren; dazu ein heiteres Memoirenkapitel des moderierenden AK-Organisators Rainer Greubel.
Zum Auftakt des Neujahrsempfangs stellte die Hausherrin, Dr. Irina Turner, die zahlreichen baulichen Projekte vor, die in den Stadtteilbibliotheken stattfinden. Das Entstehen von „Dritten Orten“, wo Bürger jeden Alters sich treffen und ungezwungen aufhalten können, läßt sich die Stadt derzeit große Beträge kosten; nach dem Hubland sind nun Heidingsfeld und Versbach an der Reihe.
Ein bauliches Projekt, an dessen Entstehung der AK seit Jahren mitwirkt, soll heuer noch in Funktion gehen: ein Literaturhaus. Das Wort „Haus“ mag etwas groß erscheinen, aber laut Stadtratsbeschluß soll bis Herbst 2026 der gläserne Pavillon auf dem Zellerauer Marktplatz derart umgebaut sein, daß tagsüber das Quartiersmanagement eine Anlaufstelle unterhält und zu anderen Zeiten das Gebäude für eine literarische Nutzung zu Verfügung steht. Hier wird sich der Autorenkreis zusammen mit dem befreundeten Verein namens Literaturhaus stark einbringen.
Der abschließende Teil der Neujahrs-Matinée war wie immer dem Zusammenstehen und gesellschaftlichen Austausch … und einem Schoppen gewidmet. Angenehmer Nebeneffekt: Eintritt und Getränke waren kostenfrei. 2027 soll es auch so sein.
Paul Schnelle















