Eva Büttner-Egetemeyer: Der Beinbruch (frei nach Eugen Roth)

Ein Mensch bricht sich das Wadenbein...
der Bruch bereitet große Pein.
Man kühlt und salbt, man ächzt und flucht -
dann wird der Arzt doch aufgesucht.
Man hofft auf eine Diagnose...
doch das geht gründlich in die Hose!
Man wartet still so manche Stunde,
dann kriegt man endlich die Befunde:
Zwei Ärzte heftig diskutieren,
der eine will gleich operieren,
der and're meint: „Es ist ganz klar,
das Bein heilt auch so wunderbar!“
Dem Mensch steht die Entscheidung frei -
und er besteht auf Lösung zwei.

Wie kleidsam ist der Gipsverband,
angelegt von zarter Hand,
vom Knie bis an den großen Zeh...
man schätzt die Färbung in Rosé,
die Krücken lila klerikal -
trotzdem.. das Ganze bleibt fatal.

In den ersten ein,zwei Wochen,
nachdem sich dieses rumgesprochen,
klingelt's an Telefon und Tür:
„Du armer Mensch, wie geht es dir?
Kann ich etwas für dich besorgen?
Ich komme wieder übermorgen!“

Doch spätestens in Woche sieben
sind die Besuche ausgeblieben.
Auch beim Gespräch am Telefon
hört man den leisen Unterton:
„Das muss man halt mit Würde tragen!“
Der Mensch beginnt nun zu verzagen,
und schwört sich:“Kann ich wieder laufen,
dann geh ich erst mal einen saufen!!“
Denn die Erkenntnis ist recht hart,
hat eine Krankheit einen „Bart“,
dann ist es wie bei den Verwandten,
den lieben Onkeln und den Tanten,
bleiben sie lange zu Besuch,
empfindet man sie schnell als Fluch,
und die Freude, die ist groß,
hat man sie erst wieder los....


Mai 2013